Therapieoptionen
Oft gibt es falsche Vorstellungen über Medikamente gegen epileptische Anfälle (korrekter Begriff „anfallssupprimierende Medikation“): vor mehr als 30 Jahren standen im Vergleich zu Heute sehr wenige anfallssupprimieren Medikamente (ASM) zur Verfügung. Denn diese mussten oft in hohen Dosen eingenommen werden, so dass auch ein erhöhtes Risiko Nebenwirkungen zu entwickeln vorhanden war. Damals gab es also wesentlich weniger Therapieoptionen als heutzutage.
Die individuelle Beratung des Patienten (Alter, Geschlecht, potentieller Kinderwunsch, zusätzliche Medikation wegen anderer Erkrankungen) spielen bei der Auswahl des ASM eine große Rolle. Die modernen ASM können auch in einer Dosis gegeben werden, dass keine Nebenwirkungen entstehen. Hieraus ergibt sich das der Patient sich regelmäßig wiedervorstellen sollte. Er sollte dokumentieren, wie häufig, welche Anfallsart auftritt. Denn dies hilft bei der Entscheidung ob und wenn ja welche Dosis von welchem ASM weiter eingenommen werden sollte.
Oft wird oft liegen auch falsche Vorstellungen über die Möglichkeit / Gefährlichkeit epilepsiechirurgischer Eingriffe vor. Wenn die richtige Epilepsieerkrankung bestimmt werden konnte (hierfür ist in der Regel auch im weiteren Verlauf ein stationärer Aufenthalt in einem Epilepsiezentrum notwendig) können unter Umständen chirurgische Therapieoptionen vorgeschlagen werden, die der medikamentösen Behandlung nachgewiesenermaßen 5-7x überlegen sind. Im Idealfall kann sogar eine sogenannte „Heilung“ erfolgen, wenn ein epilepsiechirurgischer Eingriff zu jahrelanger Anfallsfreiheit geführt hat, so dass die ASM ganz abdosiert werden können. Hierfür ist es ist immer wichtig zuerst festzustellen
- ob tatsächlich eine Epilepsie vorliegt oder zusätzlich eine zusätzliche andere Erkrankung
- welche Art von Epilepsieerkrankung vorliegt
Und dann
- ob es einen oder mehrere Orte im Gehirn gibt, von denen die epileptische Anfälle ausgehen
Es ist bekannt, dass Patienten mit falschen oder ungenauen Diagnosen jahrelang behandelt werden, bevor die richtige Diagnose gestellt werden konnte.
In den letzten Jahren haben sich als Alternative zur „Resektion“ (d.h. einen neurochirurgischen Eingriff mit Öffnung des Schädels) einige zusätzliche Möglichkeiten der Behandlung ergeben, die in der Regel „minimal-invasiv“ sind. Mit diesem Begriff sind Eingriffe bezeichnet, die weniger belastend als die „Resektion“ sind. In besonderen Fällen können so andere Techniken vorgeschlagen werden, die zwar eine insgesamt geringere Chance auf Anfallsfreiheit haben, jedoch für den einzelnen Patienten auch einen geringeren Eingriff und Risiko bedeuten. Gegebenenfalls kann eine Kombination von mehreren minimal invasiven Eingriffen sogar zu einem fast ähnlichen Ergebniss, wie die Resektion führen. Zudem gibt es minimalinvasive Methoden die – ähnlich wie ein ASM – zwar nicht den Kern der Erkrankung aber das Symptom „epileptischer Anfall“ in ihrer Häufigkeit deutlich reduzieren (sog. Neuromodulation/Neurostimulation).
Literaturhinweise für Patienten und ärztliche Kollegen:
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